Urlaub im Risikogebiet: Brasilien während Corona

Was ist das Erste was dir einfällt, wenn du an Brasilien denkst? Die Copacabana, der Zuckerhut, der Strand oder Party?

Doch hat sich das Leben überhaupt während der Corona-Pandemie verändert? 

Leon Gesser wird uns diese Fragen beantworten. Er ist seit Februar diesen Jahres in Brasilien, um die Sprache besser zu lernen. „Ich bin halb Brasilianer und als Kleinkind habe ich perfekt Portugiesisch gesprochen. Je älter ich geworden bin, desto mehr habe ich die Sprache verlernt“, sagt Leon. Er wohnt im Haus seiner Familie in Rio de Janeiro an der Copacabana. „In meinen letzten zwei Wochen werde ich nochmal in Brasilien herumreisen und mir dann ein Hotel nehmen“, erzählt Leon – Hotels sind in ganz Brasilien geöffnet.

Die Ankunft in Brasilien

„Für mich war die Einreise einfacher, weil ich eine brasilianische Staatsangehörigkeit habe“, so Leon. Für eine Reise nach Brasilien müssen mehrere Aspekte beachtet werden: Der Reisepass muss mindestens noch ein halbes Jahr gültig sein und während des Hinfluges muss ein Einreiseformular ausgefüllt werden. Das ist jedoch das Standardprozedere und hat nichts mit Corona zu tun. 

Wegen der Corona-Pandemie gelten noch weitere Einreisebeschränkungen: Frühestens 72 Stunden vor dem Abflug muss ein negativer PCR-Test vorliegen und eine Gesundheitserklärung ausgefüllt werden. Diese bestätigt den Gesundheitszustand des Reisenden. „All diese Dinge habe ich beachtet, und als ich aus dem Flughafen rausgegangen bin, war ich frei“, erzählt Leon.

„Über Masken müssen wir gar nicht reden“

Als Leon im Februar in Brasilien angekommen ist, ist ihm sofort aufgefallen, dass so gut wie niemand eine Maske trägt. Er sagt: „Es war wirklich so, als hätte Corona nicht existiert. Es hat niemanden interessiert.“

Zu diesem Zeitpunkt fanden überall noch Konzerte und Partys statt – vor allem auf der Halbinsel Búzios,welche drei Stunden von Rio de Janeiro entfernt ist. diese hat in der Hauptsaison und am Wochenende ein sehr intensives Nachtleben. Viele Jugendliche gehen dorthin, um in ihren Semesterferien zu feiern. So auch Leon und sein Cousin.

Zu den Beschränkungen sagt er: „Über Masken brauchen wir gar nicht reden. Alles ist ein bisschen pseudo, weil am Eingang die Masken getragen werden müssen und dann geht man in den Club rein und ist mit 300 Leuten dicht an dicht und muss keine Maske tragen.“

„Es war wirklich alles tot“

Dadurch, dass sich die Brasilianer nicht an die offiziellen Regelungen gehalten haben, wie die Maskenpflicht oder den Mindestabstand, sind die Corona-Infektionszahlen rasant gestiegen. Aus diesem Grund gab es einen 10-tägigen Lockdown vom 26. März bis zum 4. April diesen Jahres. Die Bevölkerung durfte von elf Uhr abends bis fünf Uhr morgens nicht mehr auf die Straße und nur die Supermärkte waren offen.

„In diesen zehn Tagen war wirklich alles tot. Das war auch der Moment, wo die Menschen angefangen haben, ihre Masken zu tragen. Mit dem Lockdown haben viele Menschen gezeigt bekommen, dass Corona eine ernste Sache ist“, erzählt Leon.

Die Bevölkerung war jedoch gegen den Lockdown. Ein Grund dafür ist, dass sich das Leben in Brasilien draußen abspielt. Leon sagt: „Die Brasilianer gehen eigentlich nur zum Schlafen nach Hause. Normalerweise sitzen an jeder Ecke Menschen, die Musik machen. Es wird getrommelt, Gitarre gespielt, gesungen und die Einheimischen tanzen Samba dazu.“

Nach den zehn Tagen war der Lockdown vorbei und die Maßnahmen wurden schnell wieder gelockert. Leon sagt: „Der Druck der Bevölkerung war sehr groß. Am schwersten war der Lockdown für Obdachlose und Arbeitslose, die hier und da kleine Arbeiten verrichten. Für diese ist es einfach nicht möglich, in den Lockdown zu gehen.“

„Der Strand war kaum noch sichtbar“

Die Copacabana ist einer der bekanntesten Stadtteile in Rio de Janeiro und hat über einen vier Kilometer langen Sandstrand.

Im Februar diesen Jahres war der Strand an der Copacabana so voller Menschen, dass er kaum noch sichtbar war. Leon erzählt: „Überall waren Menschen eng an eng und haben miteinander getanzt und gesungen. Ringsherum standen kleine Stände, die Caipirinha verkauft haben.“

Jetzt hat sich die Lage in Brasilien verändert.

„Mir ist aufgefallen, dass sich weniger Menschen auf den Straßen und am Strand aufhalten, obwohl der Lockdown vorbei ist. Das könnte aber auch daran liegen, dass es nicht mehr so viele Touristen wie vorher gibt und dass das Wetter schlechter geworden ist. Zur Zeit ist Winter in Brasilien und anstatt 45 Grad sind es nur noch 30 Grad“, sagt Leon und lacht.

“Die Restaurants sind komplett voll”

In Brasilien sind alle Restaurants offen, sie waren nur im Lockdown geschlossen. Offiziell dürfen diese nur mit 40 bis 50 Prozent der Auslastung öffnen. „Mittlerweile macht jeder, was er möchte, die Restaurants sind komplett voll“, so Leon.

Eines der brasilianischen Nationalgerichte heißt Feijoada – Es wird auch „Essen der Armen“ genannt. Ein herzhafter Eintopf aus schwarzen oder roten Bohnen, Wurststückchen und Schweinefleisch. „Am besten geht man in ein Restaurant zum Feijoada-Essen. Dort gibt es dann ein Buffet, was auch oft von einer Samba-Truppe begleitet wird. Das kann sich über den ganzen Nachmittag hinziehen“, so Leon. Trotz der Pandemie seien Feierlichkeiten erlaubt.

Der Rückflug

Durch die Einstufung Brasiliens als Virusvariantengebiet muss bei der Einreise nach Deutschland mehrere Dinge beachtet werden: Es besteht eine Anmelde- und Testpflicht. Der negative PCR-Test darf maximal 72 Stunden sein und es gibt eine ausnahmslose Quarantänepflicht.

An den Rückflug möchte Leon jedoch noch nicht denken: „Ich werde hier einfach alles vermissen. Die Mentalität ist unvergleichbar – alle in Brasilien sind so offen, fremde Menschen verwickeln dich auf der Straße in ein Gespräch, laufen dir singend entgegen und tanzen. Das, was ich am meisten vermissen werde, ist kein Ort, den ich hier entdeckt habe, sondern die Mentalität der Menschen.“

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

Erstelle deine Website mit WordPress.com
Jetzt starten
%d Bloggern gefällt das: